Weltalphabetisierungstag 9. September in Berlin

Die zentrale Veranstaltung anlässlich des UNESCO-Weltalphabetisierungstages fand auch in diesem Jahr auf Einladung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Partner für Alphabetisierung in Deutschland im Tagungszentrum der Bundespressekonferenz in Berlin statt.

Kornelia Haugg, BMBFNur gemeinsam mit Bund, Ländern, Kommunen und weiteren Akteuren aus Wirtschaft und Gesellschaft könne es gelingen, den funktionalen Analphabetismus in Deutschland spürbar zu reduzieren, erklärte Kornelia Haugg vom Bundesministerium für Bildung und Forschung anlässlich des Weltalphabetisierungstags vor rund 140 Zuhörern und Zuhörerinnen am 9. September 2013 in Berlin. Daher seien die Einbindung der Bundesagentur für Arbeit und des Deutschen Gewerkschaftsbundes in die nationale Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung in Deutschland wichtige Schritte auf dem Weg, mehr der über sieben Millionen Betroffenen zu erreichen. Auch die Kampagne „Lesen und Schreiben – mein Schlüssel zur Welt“ habe dazu beigetragen, das Thema stärker ins öffentliche Bewusstsein zu transportieren, wie die deutlich gestiegene Zahl von Anrufen beim Alfa-Telefon des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung belegten, sagte Haugg. Bis sich die gestiegene Nachfrage auch in deutlich höheren Kursteilnahmen niederschlage, brauche es aber weiterer, kontinuierlicher Aktivitäten.

Dr. Ulrich Raiser, KMKDies bestätigte auch Dr. Ulrich Raiser, der für die Kultusministerkonferenz eine erste Bilanz zog. Die Erwachsenen-Weiterbildung habe es in der Öffentlichkeit neben schulischer und hochschulischer Bildung wesentlich schwerer, als Thema wahrgenommen zu werden. Mit der leo.-Studie sei jedoch ein Fenster geöffnet worden, das auch von den Ländern im vergangenen Jahr für zahlreiche Aktivitäten genutzt wurde. Weitere Anstrengungen, z. B. dabei, die Angebote näher zu den Betroffenen zu bringen, Kreativität und Vielfalt bei der Umsetzung von Lernarrangements oder die Verbreitung von good-practice-Erfahrungen, seien notwendig, so Raiser. Auch gebe es Überlegungen für gezielte Öffentlichkeitsmaßnahmen auf Länderebene.

Jörg Freese, Deutscher LandkreistagDie Kommunen und Kreise seien in der öffentlichen Wahrnehmung in erster Linie als Schulträger präsent, erläuterte Jörg Freese vom Deutschen Landkreistag. Doch als Träger der Volkshochschulen nähmen sie auch umfangreiche Aufgaben in der Weiterbildung wahr. Bei der Identifikation und Ansprache Betroffener sieht Fresse die öffentliche Verwaltung in einer Vorbildfunktion. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hierfür zu sensibilisieren und zu aktivieren, könne ein wichtiger Beitrag auf kommunaler Ebene sein.

 

Lothar Guckeisen mit TeilnehmerinnenWie es mit der Alphabetisierung und Grundbildung in der Praxis aktuell weitergeht, haben die Projektmitarbeitenden aus drei aktuellen Projekten exemplarisch aufgezeigt. ABCami bietet Alphabetisierungskurse in Moscheen in Berlin an, MENTO will, zunächst an vier Modellstandorten, betriebliche Lernmentoren und -mentorinnen in Unternehmen etablieren und eVideo entwickelt ein Simulations-Lernprogramm für die Logistikbranche. Weitere Informationen zu diesen und anderen Projekten finden sich auf der Homepage www.alphabund.de.

 

Auszeichnung des Vereins Lesen und Schreiben e VDie Auszeichnung „Botschafter für Alphabetisierung“ wurde vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung in diesem Jahr zwei Mal vergeben. Der Verein „Lesen und Schreiben e. V.“ aus Berlin erhielt die Auszeichnung für sein 30-jähriges Engagement in der arbeitsweltorientierten Grundbildung und Alphabetisierung. In Vollzeitmaßnahmen mit sozialpädagogischer Begleitung fördert der Verein die Lernenden und berücksichtigt dabei in hohem Maße ihre biographischen Erfahrungen. Auch die Unterstützung der Lernenden bei der Artikulation ihrer Forderungen in der Öffentlichkeit hat sich der Verein auf die Fahne geschrieben.

Auszeichnung von Heio von Stetten als Botschafter für AlphabetisierungEbenso ausgezeichnet wurde der Schauspieler Heio von Stetten, der sich in den vergangenen Jahren in besonderer Weise für die Alphabetisierung engagiert hat: durch Lesungen auf Benefizveranstaltungen, als Mitglied der Jury des Schreibwettbewerbs für funktionale Analphabeten und Analphabetinnen oder auch durch die Aufnahme der CD „Unterwegs“, eines Hörbuchs mit den Gewinnertexten des Wettbewerbs. Die von den Lernenden eingereichten Texte hätten ihn sehr beeindruckt, berichtete von Stetten aus seiner Tätigkeit als Jurymitglied. Schreiben bedeute für ihn, über eine wesentliche kreative Ausdrucksmöglichkeit zu verfügen. Die Aktivitäten des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung werde er daher auch in Zukunft unterstützen.

Die Notwendigkeit lebensbegleitenden Lernens sei inzwischen unbestritten, so Prof. Dr. Rita Süssmuth, die Präsidentin des Deutschen Volkshochschul-Verbandes. Prof. Dr. Rita Süssmuth, DVVDazu gehöre auch der nachträgliche Erwerb von Schriftsprachkompetenz. Dies zu fördern sei eine Querschnittsaufgabe, an der alle gesellschaftlich relevanten Gruppen mitwirken müssten. Die mangelnde Bereitschaft der Wirtschaft, sich zu beteiligen, bedauerte Süssmuth daher ausdrücklich. Darüber hinaus müsse das Kooperationsverbot im Bildungsbereich fallen, damit alle staatlichen Ebenen gemeinsam mit Wirtschaft und Gesellschaft an der Lösung des Problems mitwirken könnten. Auch für die inhaltliche Arbeit gab Rita Süssmuth den Teilnehmerinnen und Teilnehmern etwas mit auf den Weg: die Beteiligung der Betroffenen an der Alphabetisierungsarbeit bringe für alle Beteiligten einen Mehrwert, denn gemeinsam könnten alle mehr erreichen und mehr leisten.

 

 




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