Internationale Parlamentarierkonferenz zur Alphabetisierung im Deutschen Bundestag

Die Internationale Parlamentarierkonferenz zum Abschluss der UN-Weltdekade zur Alphabetisierung am 22. April 2013 war ein deutliches Signal für die Alphabetisierungsarbeit in Deutschland. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Dr. Helge Braun, und die Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, Ulla Burchardt, hatten gemeinsam zu dieser Veranstaltung in den Deutschen Bundestag eingeladen.

Mehr als 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland und Europa sowie eine Reihe von Gästen aus arabischen Staaten nahmen an der Konferenz teil. Politiker/innen, Wissenschaftler/innen, Experten/innen aus der Praxis und Lernende kamen miteinander ins Gespräch und tauschten Informationen und Positionen aus. Die Abgeordneten der im Bundestag vertretenen Parteien betonten einvernehmlich die Bedeutung nachholender Alphabetisierung im Erwachsenenalter – im Interesse des Einzelnen, der Gesellschaft und, angesichts der demographischen Entwicklung, auch der Wirtschaft. Besonders beeindruckt zeigten sich die Abgeordneten sowohl im Plenum als auch im Gespräch von den persönlichen Berichten der anwesenden Lernenden.

Die Ausschussvorsitzende betonte die Bedeutung der Nationalen Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener in Deutschland als ersten Schritt nach Bekanntwerden der Zahlen der leo. – Level-One Studie. Um dem Problem wirksam zu begegnen, sei allerdings noch viel zu tun, z. B. eine Verstetigung der Finanzierung der Arbeit und eine bessere Vernetzung der Akteure.

Staatssekretär Dr. Braun wies darauf hin, dass Lese- und Schreibkompetenzen Wege in Beschäftigung sowie zu Weiterbildung und Aufstieg ebenso eröffnen wie zu gesellschaftlicher Teilhabe. Angesichts der demographischen Entwicklung sei Alphabetisierungsarbeit ein Beitrag zur Fachkräftesicherung.

Patrick Meinhardt von der FDP forderte, die Befunde aus der leo. – Level-One Studie durch länderspezifische Untersuchungen zu untersetzten. Damit der „Alpha-Schock“ nicht verebbe, müsse aus der Nationalen Strategie die Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung werden.

Lesen braucht Zeit, erklärte der CDU-Abgeordnete Uwe Schummer, die es wiederzugewinnen gelte. Die Reduzierung von funktionalem Analphabetismus müssten Bund, Länder und Gemeinden gemeinsam im Rahmen subsidiärer Intervention vorantreiben.

Für mehr Nachhaltigkeit in der Alphabetisierungsarbeit, so Oliver Kaczmarek von der SPD, käme es darauf an, im Rahmen einer Nationalen Dekade stärker in Strukturen zu investieren. Man müsse vor Ort beginnen, die Menschen zu stärken und Lernende stärker in die Arbeit einbeziehen.

Eine Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung muss nach Auffassung von Dr. Rosemarie Hein, DIE LINKE, mit konkreten Zielen und Verantwortungen verknüpft werden, um erfolgreich zu sein. Neben der Bewältigung der aktuellen Situation gelte es, zukünftig Analphabetismus bei jungen Menschen nachhaltig entgegenzuwirken.

Die Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt dürften nicht die alleinige Motivation sein, sich mit der Alphabetisierung Erwachsener zu beschäftigen, erläuterte Arfst Wagner, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Auch andere Bereiche wie die Kultur seien in den Blick zu nehmen.

Die Abgeordneten aller im Bundestag vertretenen Parteien sprachen sich einvernehmlich für eine weitere Aufklärung und Enttabuisierung zum Thema Analphabetismus aus. Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener müssen auch zukünftig Thema in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sein, darin waren sich alle anwesenden Abgeordneten, Expertinnen und Experten und Gäste auf der Internationalen Parlamentarierkonferenz im Deutschen Bundestag einig.

Beiträge:

"Aspekte der UN-Weltdekade für Alphabetisierung und Grundbildung" Prof. Dr. Christoph Wulf

"Standortbestimmung in Deutschland - die Ergebnisse der leo.-Level One-Studie" Prof. Dr. Anke Grotlüschen

"Ausblick - demografischer Wandel und Chancen durch Alphabetisierung" Prof. Dr. Josef Schrader

"Die Skills for Life Strategie - Erfolge und Enttäuschungen" Helen Casey

"Milieu und Habitus - Auswirkungen auf die Erreichbarkeit und Teilhabe an Weiterbildung" Prof. Dr. Helmut Bremer

 

Einen Rückblick zur Veranstaltung finden Sie auch auf der Internetseite des Deutschen Bundestages.


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