Inhalt
Aus dem Förderschwerpunkt
1 – alphabund-Forschung, Band 2
2 – alphabund-Statuskonferenz 2009
3 – Verbleibsstudie: Lernstandsdiagnosen
4 – Projekt MEMO auf Segeltörn
5 – Uni Frankfurt: Seminar
6 – alphabund-Intranet
7 – Chancen erarbeiten und Kurt Krömer
8 – lea. Alpha-Levels
9 – Termine
Aus dem Themenfeld Alphabetisierung
10 – CONFINTEA VI
11 – Doberer-Bey erhält Staatspreis
12 – Neuer Leichtleseverlag
13 – Dokumentarfilm: „Die Unwertigen“
14 – AGuB e.V. - Berlin
alphabund-Newsletter 11-12/2009
Liebe Leserin, lieber Leser,
dies ist der letzte alphabund-Newsletter aus der Transferstelle im UNESCO-Institut für Lebenslanges Lernen und damit der letzte alphabund-Newsletter aus meiner Feder. Es hat mir sehr viel Freude bereitet, die aktuellen Informationen aus dem Förderschwerpunkt und aus dem Themenfeld Alphabetisierung/Grundbildung – das mir zu Beginn noch neu war – zusammenzustellen und in Texten zusammenzufassen. Vor allem habe ich mich immer außerordentlich über die stetig steigenden Abonnentenzahlen und die vielen netten Rückmeldungen gefreut.
Ich hoffe sehr, dass Ihnen die bislang 14 Ausgaben des Newsletters gefallen haben und die Informationen aus dem Förderschwerpunkt und dem Themenfeld der Alphabetisierung und Grundbildung für Sie interessant waren.
Weitere Neuigkeiten erfahren Sie regelmäßig auf der Website alphabund.de unter 'Aktuelles'.
Wenn Sie diesen Newsletter nicht mehr erhalten wollen, können Sie sich hier abmelden.
Mit den besten Grüßen aus Hamburg
Ihr Björn Otte
Referent für Öffentlichkeitsarbeit
Transferstelle, BMBF-Förderschwerpunkt
„Forschung zur Alphabetisierung und Grundbildung“
UNESCO Institute for Lifelong Learning (UIL)
Feldbrunnenstr. 58
D-20148 Hamburg
E-Mail: b.otte(at)unesco.org
www.alphabund.de
Aus dem Förderschwerpunkt
1 – alphabund-Forschung, Band 2: Qualifizierung für Alphabetisierungs- und Grundbildungsarbeit
Vor kurzem ist der zweite Band aus der BMBF-Schriftenreihe zur alphabund-Forschung erschienen: „Professionell alphabetisieren. Qualifizierung für Alphabetisierungs- und Grundbildungspädagogen“.
Exemplare können über den Buchhandel oder direkt über den Verlag bezogen werden.
Bestellschein
Während im ersten Band Daten, Fakten und Wissensbestände aus dem In- und Ausland zur Professionalisierung in Alphabetisierung und Grundbildung aufgeführt werden, beschreiben die Autorinnen und Autoren im zweiten Band Ausgangsüberlegungen und Konzeptionen neuer Qualifizierungsangebote, die im Rahmen des BMBF-Förderschwerpunktes entwickelt und erprobt werden.
2 – Konstruktiver Austausch aller alphabund-Projekte auf der Statuskonferenz 2009
Am 25.11.2009 kamen in Hamburg rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen 23 derzeit tätigen Verbundprojekten aus dem Förderschwerpunkt „Forschung und Entwicklung zur Alphabetisierung/Grundbildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur 2. alphabund-Statuskonferenz zusammen.
Sehr konstruktiv diskutierten die Teilnehmenden aus den alphabund-Projekten mit Expertinnen und Experten aus der Grundbildungspraxis an Institutionen aus der Jugendhilfe, der bildenden Kunst/Öffentlichkeitsarbeit, dem Justizvollzug, der Lehrerfortbildung und verschiedenen Bildungsträgern.
Dem Austausch der Projekte untereinander dienten – wie bei der ersten Statuskonferenz – Sitzungen der sieben thematischen Fachgruppen. In der anschließenden Interviewrunde betonten alle fachlichen Leiterinnen und Leiter das große Interesse und die konstruktive Arbeitsatmosphäre in allen Gruppen. Konkrete Pläne für die weitere Arbeit für 2010 liegen in allen Gruppen bereits vor.
Abschließend teilte Marion Döbert mit, dass die Transferarbeit ab 2010 nicht mehr von der Transferstelle im UNESCO-Institut für Lebenslanges Lernen fortgeführt werden wird.
(Fotos: alphabund/Björn Otte)
3 – Verbleibsstudie: Mehrzahl der Kursleitenden führt Lernstandsdiagnosen mit Teilnehmenden durch
Erste Ergebnisse aus dem Teilprojekt „Akzeptanzstudie im Hinblick auf eine erwachsenengerechte Diagnostik“ des Verbundes Verbleibsstudie haben ergeben, dass 58,4% der befragten Kursleiter/innen mit den Kursteilnehmenden Lernstandsdiagnosen durchführen. Das bekannteste und auch am häufigsten eingesetzte Diagnostikinstrument ist die Lernplattform www.ich-will-lernen.de. Einen hohen Bekanntsheitgrad hat auch die Hamburger Schreibprobe. Eine häufige Anwendung findet die Lernbeobachtung.
Download
Prof. Dr. Anke Grotlüschen, Universität Hamburg entwickelt mit ihrem Team Gütekriterien für eine erwachsenengerechte Diagnostik. Im Zeitraum Mai bis August 2009 wurden hierzu 195 Kursleiter/innen befragt.
Da bislang nur sehr wenig Erkenntnisse darüber vorliegen, zu welchen biografischen Veränderungen die Teilnahme an Grundbildungs- und Alphabetisierungskursen führt, zielen die Forschungsarbeiten der Verbleibsstudie darauf ab, mehr über die Lebensumstände ehemaliger und aktueller Teilnehmer/innen an Alphabetisierungs- und Grundbildungskursen und damit auch etwas über die Nachhaltigkeit von Kursangeboten zur Alphabetisierung/Grundbildung zu erfahren.
(alphabund, Dietmar Kleb)
4 – Lernen mit Wind und Meer – Projekt MEMO auf Segeltörn
Mit einer wunderschönen Broschüre dokumentiert das BMBF-geförderte Projekt MEMO (Menschen motivieren) einen Segeltörn mit Lernenden und Profis aus der nachholenden Grundbildung. Ziel war es, den Alltag zu durchbrechen, Erfahrungsräume zu erweitern, Begegnungen mit anderen und Neuem zu ermöglichen und dadurch zum Lernen und auch Schreiben zu motivieren. Aus allen fünf Teilprojekten von MEMO kamen anlässlich des Teilnehmertages 40 Lernende aller Altersgruppen und aus vielen Herkunftsländern zusammen, um auf der mittelalterlichen Segelkogge „Wissemara“ in See zu stechen. Wind und Wasser der Ostsee waren genauso beeindruckend wie die Kunst der richtigen Knotenbindung oder der Ausflug nach Wismar. Wer in der Alphabetisierung unterrichtet, weiß wie mühsam solche Sätze entstehen: „Unsere Gruppe hat leckere Fischbrötchen gegessen“ oder „Wann kommt unsereins schon mal nach Wismar?“. Doch beim Lernen vor Ort geht das leichter von der Hand, denn Erleben und Lernen greifen ineinander. Die Broschüre von MEMO gibt es jetzt auch als Download auf www.alphabund.de. Aber echte Erlebnisqualität bietet erst die schön gestaltete und hochwertige Printversion mit den mitreißenden Bildern.
Bezugsquelle: www.memo-mv.de
(alphabund, Marion Döbert)
5 - Uni Frankfurt: Alphabetisierung und Grundbildung als Seminarthema
An der Universität Frankfurt, Institut für Sonderpädagogik, Fachrichtung Lernhilfe, wird unter Prof. Dr. Joachim Schroeder ein Seminar angeboten zum Thema Alphabetisierung und Grundbildung für benachteiligte Jugendliche.
Inhaltlich befasst sich das Seminar mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in den Abgangsklassen der allgemeinbildenden Schulen keine sicheren Lese, -Schreib- und Rechenkompetenzen erworben haben und daher Alphabetisierungs- und Grundbildungsangebote benötigen, die ihrem Alter, ihrer Lebenswelt und ihrem weiteren erschwerten Übergang in Arbeit und Ausbildung angemessen sind. Gegenstand des Seminars sind auch die verschiedenen Alphabetisierungstheorien und Konzepte von Grundbildung, die bislang entwickelt worden sind, Forschungsperspektiven und Diskurslinien zum funktionalen Analphabetismus sowie die aktuellen Forschungsprojekte zum Thema. Am Fachbereich 04 der Universität Frankfurt gibt es zwei Forschungsverbünde zu dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungs- und Entwicklungsprogramm zum Themenbereich „Alphabetisierung – Grundbildung – Wirtschaft“: Teilprojekte der Verbleibsstudie und von GRAWiRA.
Mehr Informationen unter: 069-798-22097, Email: J.Schroeder(at)em.uni-frankfurt.de
(alphabund, Marion Döbert)
Chancen erarbeiten: Übersicht aller Seminare im Themenfeld
Das Projekt "a³" hat eine Übersicht von Hochschulen zusammengestellt, die momentan Seminare zu den Themen Alphabetisierung und Analphabetismus anbieten. Die Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeiter haben Vorlesungsverzeichnisse im Internet durchsucht und eine Tabelle der Veranstaltungen zum Thema zusammengestellt. Die Übersicht kann für Forschungs- und Entwicklungsprojekte sowie für Bildungsanbieter interessant sein, um neue Kooperationspartner zu finden und Ergebnisse und Produkte in die Seminare zu transportieren. Nicht zuletzt können auf diesem Wege neue Experten gefunden und zum Beispiel als Referenten und Gäste für Tagungen und Workshops gewonnen werden.
(Quelle: Chancen erarbeiten)
6 – Aktuelle Erweiterungen des alphabund-Intranets
Nach intensiver Arbeit sind nun alle für die interne alphabund-Kommunikationsplattform vorgesehenen Module installiert. Die letzte Ergänzung erfolgte Ende November mit der Dokumentendatenbank.
Dokumente aller gängigen Formate können dort hochgeladen werden. Umfangreiche Eingabemöglichkeiten zu Autor/inn/en, Titel und Publikationsdaten sowie Beschreibung und Kommentare ordnen die Daten, sodass eine detaillierte Suche über alle Felder möglich ist. Zusätzlich werden die vorhandenen Dokumente verschlagwortet. Das Schema der Verschlagwortung ist vorgegeben, kann aber nach Bedarf jederzeit angepasst und erweitert werden. Details der Nutzung können im Menüpunkt „Hilfe“ nachgelesen werden.
Die Kommunikationsplattform steht allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Projekte im Förderschwerpunkt „Forschung und Entwicklung zur Alphabetisierung/Grundbildung“ zur Verfügung. Die Plattform ist durch Passwort geschützt, sodass ein Zugriff von Externen nicht möglich ist. Die Projektmitarbeiter/innen können einen Zugang über die Seite http://www.alphabund.de/Intern.47.0.html beantragen, die Freischaltung erfolgt durch die Administration nach Abgleich der Daten.
Seit August 2009 befindet sich die Seite inklusiv der kompletten Kommunikationsplattform auf einem neuem Server. Dadurch werden bessere Ladezeiten erzielt, welche die Nutzung wesentlich komfortabler machen.
Im Januar werden die Administration der Seite und auch die Serveranbindung zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt wechseln.
7 – Chancen erarbeiten: Die Kröm de la Kröm für die Alphabetisierung - 1LIVE Krone Gewinner tun Gutes
Kurt Krömer, Jan Delay, Peter Fox und Clueso sind die strahlenden Gewinner der 1LIVE Krone 2009. Neben der Auszeichnung mit dem angesehenen Publikumspreis haben sie noch eine Gemeinsamkeit: Alle Künstler engagieren sich für das Lesen und Schreiben. Auf YouTube machen sie Menschen mit niedrigen Lese- und Schreibfähigkeiten Mut und setzen sich für eine bessere Grundbildung ein.
Lesen und Schreiben nach der Schule zu erlernen, fällt Betroffenen schwer, kostet viel Arbeit, Zeit und braucht Mut sowie viel Motivation. Kurt Krömer vergleicht das nachträgliche Erlernen der Schriftsprache mit den widrigen Anfängen seiner beruflichen Karriere als Komiker: „Nach 15 Jahren harter Arbeit, habe ich den Standard erreicht, dass ich keine Angst mehr haben musste, dass der Gerichtsvollzieher meine Sachen pfände. Man kam auf die Bühne, mit voller Power und da standen vier Leute. Wenn du was erreichen möchtest, musst du auch ein bisschen was investieren.“ Diese Durchhaltevermögen brauchen junge Erwachsene auch, wenn sie ihre Schriftsprachkompetenz nach der Schule verbessern.
In Deutschland verfügen über vier Millionen Erwachsene über so geringe Lese- und Schreibkenntnisse, dass sie als funktionale Analphabeten gelten. Das Lese- und Schreibniveau gleicht dem eines Schulkindes in der ersten oder zweiten Klasse.
Besonders bedenklich ist, dass jährlich ca. 70.000 junge Menschen die Schule ohne Abschluss verlassen und damit zur Risikogruppe gehören. Trotz Schulbesuchs fällt es ihnen z.B. schwer, Verträge zu lesen und zu verstehen, eine SMS zu schreiben oder sich an fremden Orten zu orientieren. Ungünstige soziale und schulische Umstände sowie fehlende zielgruppengerechte Angebote sind die Ursachen dafür, dass diese Jugendlichen keinen Zugang zur Schriftsprache bekommen.
Das Projekt iCHANCE wendet sich gezielt an junge Erwachsene, die durch eine multimediale Kampagne angesprochen und zur Teilnahme an Grundbildungsangeboten motiviert werden. Der Zugang zur Zielgruppe wird über das Thema Musik und jugendrelevante Medien gesucht. Für Jugendliche haben gerade die Stars Vorbildfunktion. Durch ihr Engagement für iCHANCE setzen sich die Künstler für eine bessere Grundbildung ein und machen den Betroffenen Mut, etwas an ihrer Situation zu ändern. Die Video-Statements und Interviews werden auf dem YouTube-Partnerchannel www.youtube.de/alphabetisierung präsentiert.
In den Statements wird für das ALFA-Telefon als telefonischer Kontakt geworben. Unter der Telefonnummer 02 51 - 53 33 44 bietet der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung Information und Beratung über örtliche Kursangebote für Betroffene an.
8 – lea. Alpha-Levels
lea. stellt die aktuellsten Fassungen der Alpha-Levels bereit:
Alpha-Levels Lesen und Alpha-Levels Schreiben. Für Support und Beratung dankt das Team besonders dem BVAG, der Bremer VHS und der VHS Bremerhaven.
9 – Termine
8. Dezember 2009-13. Februar 2010: Ausstellung "Mit Tinte und Feder" (Reutlingen)
Lust am Schreiben, am Schönschreiben und am kalligrafischen Schreiben möchte diese Ausstellung wecken. Zu sehen sind neben Arbeiten der Kalligrafin Claudia Bärbel Kirsamer, Exponate zur Geschichte des Schreibens aus der Sammlung von Jürgen und Annerose Genuneit.
22. Januar 2010: Fachtagung „Lernanlässe“ (Potsdam)
Das Teilprojekt SYLBE „Systematische Perspektiven auf Lernbarrieren und Lernberatung in der Erwachsenenalphabetisierung“ im Verbund Alpha-Wissen lädt am 22. Januar 2010 von 09:30 Uhr bis 16:30 Uhr an der Universität Potsdam zur Fachtagung „Lernanlässe“ ein.
Das Projekt SYLBE untersucht Lernprozesse funktionaler Analphabeten. Es geht der Frage nach, warum die Aneignung der Schriftsprache abgebrochen wurde, warum und wie dieser Prozess im Erwachsenenalter wieder aufgenommen wird. Im Mittelpunkt stehen also zentrale Fragen der Lernforschung: Die Frage nach Lernanlässen und damit verbunden die Frage nach Lernstrategien.
28. Januar 2010: lea.-Dialog „Kompetenzen feststellen, Kompetenzen fördern“ (Bremen)
Hintergrund der Veranstaltung ist der zunehmende Bedarf an Nachqualifizierungen Erwachsener und damit an Kompetenzfeststellungsverfahren, die als Grundlage passgenauer Förderung dienen.
In vier Beiträgen werden Prinzipien der Förderdiagnostik, ihr Einsatz im E-Assessment und Anwendungsbeispiele aus dem Verbundvorhaben und der Praxis vorgestellt.
1.-2. Februar 2010: GiWA-Workshop „Die Rendite muss stimmen“ - Motive und Motivationen in der arbeitsbezogenen Grundbildung (Düsseldorf)
Der Projektverbund GiWA veranstaltet am 1. und 2. Februar 2010 einen Ergebnistransfer-Workshop. Beginn ist 1. Februar 13:00 Uhr, der Workshop endet am darauf folgenden Tag um 15:00 Uhr.
Tagungsort ist Düsseldorf-Kaiserswerth
Alle GiWA-Teilprojekte werden Erfahrungen, Hinweise, Erkenntnisse zu Indikatoren für die Qualität subjektorientierter, auf Arbeitsprozesse bezogener Grundbildungskonzepte und -settings zur Diskussion stellen.
10.-11. Juni 2010: Abschlussveranstaltung Verbundprojekt ProGrundbildung (München)
Mit dem Jahr 2010 geht das Projekt Progrundbildung in sein letztes Projektjahr. Aus diesem Anlass ist eine Abschlusskonferenz für das Verbundprojekt ProGrundbildung mit thematisch vielfältigen Fachvorträgen und Workshops zur Alphabetisierung und Grundbildung geplant.
Aus dem Themenfeld Alphabetisierung/Grundbildung
10 – CONFINTEA VI: Sechste Internationale Konferenz zur Erwachsenenbildung
Zur Eröffnung der internationalen Konferenz am 1. Dezember 2009 in Belém (Brasilien) unterstrich Irina Bokova, seit kurzem Generaldirektorin der UNESCO (alphabund berichtete), die hohe Bedeutung der Erwachsenenbildung, um eine lebenswerte Zukunft für alle zu schaffen. Sie griff damit den Titel der Konferenz auf, die nur alle zwölf Jahre stattfindet: „Living and Learning for a Viable Future: The Power of Adult Learning“ (Leben und Lernen für eine lebenswerte Zukunft: Die Kraft der Erwachsenenbildung).
Die Konferenz hatte rund 1500 Teilnehmende aus insgesamt 156 Mitgliedsstaaten der UNESCO, die als Delegierte, Organisator/inn/en und Beobachter/innen einen eigenen Beitrag leisteten. In dieser beachtlichen Zahl enthalten sind Partner der Vereinten Nationen, der Zivilgesellschaft und der Privatwirtschaft. Einen engen Bezug zur Praxis erhielt die Konferenz nicht nur durch die Teilnahme von Koordinator/inn/en und Lehrenden der Erwachsenenbildung, sondern vor allem durch Lernende aus unterschiedlichsten Teilen der Welt.
Am ersten Tag der Konferenz sprachen neben Irina Bokova, Brasiliens Bildungsminister Fernando Haddad, der ehemalige Präsident Malis und Gründer der Bewegung für die Vereinigten Staaten von Afrika Alpha Oumar Konaré, die UNESCO-Botschafterin für Alphabetisierung für Entwicklung Prinzessin Laurentien der Niederlande, der Präsident der deutschen UNESCO-Kommission Walter Hirche und die Gouverneurin des brasilianischen Bundesstaates Pará Ana Júlia Carepa.
Fernando Haddad wurde als Nachfolger von Rita Süssmuth, die den Vorsitz von CONFINTEA V innehatte, zum Präsidenten der Konferenz gewählt. Er betonte den dringenden Bedarf an der Verfügbarkeit qualitativ hochwertiger Bildung für Erwachsene, insbesondere im derzeitigen Klima ökonomischer Krise. Für ihn hängt nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung von nachhaltiger menschlicher Entwicklung ab, weshalb man diese beiden Themen stets gemeinsam behandeln müsse.
Prinzessin Laurentien widmete ihre Ansprache der Frage wie echter Fortschritt erreicht werden könne. Sie führte aus, dass die Priorität aller Diskussionen der Alphabetisierung gelten müsse, denn diese sei die unabdingbare Grundlage für Erwachsenenbildung, ohne die keinerlei Wirkung erzielt werden könne.
Nach der Eröffnung wurde der erste Weltbericht zur Erwachsenenbildung (GRALE) vorgestellt, der auf einer systematischen Analyse der 154 Nationalberichte und der Ergebnisdokumente aus den fünf regionalen Konferenzen in der Vorbereitung zu CONFINTEA VI basiert.
GRALE zeigt auf, dass einige Staaten in allen Regionen Strategien und spezielle Gesetzgebungen für die Erwachsenenbildung in Kraft gesetzt haben. Alphabetisierungskampagnen wurden umgesetzt, neue Partnerschaften sind entstanden und neue Kommunikationstechnologien kamen zum Einsatz. Der Bericht dokumentiert die Vielfältigkeit und die Unebenheit jüngster Entwicklungen in Poiltik und Regierung, was die Bereitstellung von Erwachsenenbildung angeht.
Es wird deutlich, dass es nicht viele Staaten sind, in denen sich die Politik explizit der Erwachsenenbildung annimmt. Die Förderung von Erwachsenenbildung befindet sich aktuell weit unter dem Niveau, das erforderlich wäre, um in diesem Bereich das volle Potenzial entfalten zu können. Der GRALE-Bericht zeigt auf, dass Erwachsenenbildung weltweit geradezu chronisch unterfinanziert ist und tendenziell unter mangelnder Koordination zwischen den einzelnen involvierten Partner leidet. Die größten Herausforderungen bleiben nach wie vor die geringe Teilnahme und der ungleiche Zugang zu Angeboten.
Ein Höhepunkt des 2. Dezember war der Vortrag von Josephine Ouédraogo, Geschäftsführerin von ENDA (Environment and Development Action in the Third World). Sie führte die aktuelle wirtschaftliche und zahlreiche vorangegangene Krisen unterschiedlichster Natur vor allem auf das internationale Wirtschaftssystem zurück, das gegen Menschen und Natur arbeite. In diesem Kontext sei Bildung ein wichtiger Weg zu menschlicher und letztlich zu nachhaltiger wirtschaftlicher Entwicklung. Nach Josephine Ouédraogo können bei einem Beibehalten der aktuellen Konstellation allenfalls kleine und kurzlebige Erfolge erzielt werden, selbst wenn die Anstrengungen und Investitionen um ein Vielfaches erhöht werden. Konferenzen wie CONFINTEA VI demonstrieren, so Ouédraogo, dass es möglich ist, Fortschritte zu machen, Allianzen zu bilden und auch Regierungen für das Thema zu gewinnen, indem neue Entwicklungs- und Bildungsmodelle angeregt werden, die zu einem proaktiveren Handeln führen können, um einen sozialen und gemeinsamen Wechsel zu bewirken.
Großer Respekt wurde dem inzwischen emeritierten Professor Dr. Alexander Charters von der Universität Syracuse (New York, USA) entgegengebracht, der als einziger Teilnehmer an allen sechs CONFINTEA-Veranstaltungen, begonnen 1949 in Helsingør (Dänemark) und zuletzt 1997 in Hamburg, teilgenommen oder vorbereitend mitgewirkt hat. Charters erhielt am 3. Dezember von den Organisatoren eine Medaille als Auszeichnung für sein Engagement.
Am 4. Dezember schloss die Konferenz mit der Verabschiedung des gemeinsam erarbeiteten und während der gesamten Zeit ausgiebig diskutierten Dokuments „Belém Framework for Action“ („Handlungsrahmen von Belém“). Dieser Handlungsrahmen ist ein Aufruf an die beteiligten Regierungen, Erwachsenenbildung mit größerer Dringlichkeit voranzubringen. Die Anstrengungen, um die Ziele der Erwachsenenalphabetisierung zu erreichen, sollen verdoppelt werden.
Davidson Hepburn, Vorsitzender der UNESCO-Generalkonferenz, würdigte die Arbeit der Delegationen und wies darauf hin, dass dieses Dokument als Weckruf für alle Regierungen zu verstehen sei, denn ohne sichtbar verstärkte Anstrengungen können die Ziele im Rahmen von „Bildung für alle“ („Education for all“), dem größten Programm der UNESCO im Bildungsbereich, nicht erreicht werden. Die Herausforderung sei nun, so Hepburn, strategische Zusammenarbeit, Innovation und die Umsetzung politischer Reformen sicherzustellen. Nur so können sich in Theorie und Praxis gesammelte Erfahrungen dort entfalten, wo sie wirklich gebraucht werden.
Der Handlungsrahmen spiegelt den Schwerpunkt der Konferenz auf Alphabetisierung als Schlüssel für das lebenslange Lernen und als inhärenter Bestandteil des Rechts auf Bildung wider, indem es dazu aufruft, die Anstrengungen zu verdoppeln, um von 2000 bis 2015 den Analphabetismus weltweit um 50 % zu reduzieren. Hinzu kommt der Appell, Investitionen, Angebote und auch Professionalisierung der Alphabetisierungsarbeit zu erhöhen, relevante Curricula und eine durchgehende Qualitätssicherung zu etablieren, sowie die Lücke zwischen den Geschlechtern bei der Versorgung mit Bildung zu schließen.
Das Dokument stellt fest, dass Erwachsenenbildung nach wie vor chronisch unterfinanziert und unterbewertet ist. Größere politische Anerkennung, wie sie durch CONFINTEA V gefordert wurde, hat weder national noch international zu einem effektiveren politischen Handeln geführt, was Integration, Mittelbereitstellung oder Prioritätensetzung in der Regierung angeht.
Der „Belém Framework for Action“ hebt die Notwendigkeit internationaler Zusammenarbeit hervor, in Bereichen wie der Anerkennbarkeit erworbener Qualifikationen, dem Erfahrungsaustausch, innovativer Good-Practices, Qualitätssicherung, Gleichberechtigung, der Unterstützung indigener Sprachen und der Bildung für Migranten. Eine Verpflichtung, die Investitionen auf mindestens 6% des Bruttosozialprodukts für Erwachsenen- und Jugendbildung zu erhöhen, ist enthalten, einhergehend mit dem Aufruf, neue Wege der Finanzierung zu finden und zu fördern.
In seiner abschließenden Ansprache setzte der brasilianische Bildungsminister Fernando Haddad das Überscheiten des Planungshorizonts, der bislang 2015 endete, als Ziel nach dieser Konferenz. Internationale Fonds zur Alphabetisierung sollten eingerichtet werden, damit 2015 ein Festjahr für die gesamte internationale Staatengemeinschaft sein kann. Haddad äußerte große Hoffnungen, dass nach Belém alle Anstrengungen zusammenkommen, um die Ausbildung im Lesen und Schreiben für alle Menschen weltweit zu garantieren.
Die Sechste Internationale Konferenz zur Erwachsenenbildung zusammenfassend äußerte Davidson Hepburn die Hoffnung, dass der Impuls, wie er aus CONFINTEA VI gewonnen wurde, nun die Kraft sei, die weltweit Erwachsenenbildung und nicht zuletzt Alphabetisierung voranbringt als Mittelpunkt aller internationalen Bemühungen. Er fügte hinzu, dass der „Belém Framework for Action“ trotz aller Unterschiede der beteiligten Staaten einen gemeinsamen Glauben daran ausdrückt, dass im 21. Jahrhunder kein Erwachsener zurückgelassen werden wird.
(Fotos: alphabund/Björn Otte)
11 – Antje Doberer-Bey erhält Staatspreis für Erwachsenenbildung
Am 17. November 2009 wurde der österreichische Staatspreis für Erwachsenenbildung an die seit vielen Jahren national und international engagierte Alphabetisierungs- und Weiterbildungsexpertin Antje Doberer-Bey verliehen. Die Österreicherin hat nicht nur wesentlich dazu beigetragen, das Thema Alphabetisierung und Grundbildung in eine breite und bildungspolitische Öffentlichkeit zu tragen. Konsequent hat sie auch die Notwendigkeit der Professionalisierung der Unterrichtenden und des Unterrichts vertreten. In nationalen und internationalen Projekten hat sie Expertisen eingeholt und ausgewertet, die erheblich zu einer Professionalisierung der Alphabetisierung und Grundbildung in Österreich – bis hin zu der Entwicklung eines Studiengangs beigetragen haben. Rückwirkend arbeiten Projekte aus dem BMBF-Förderschwerpunkt wie z.B. PROFESS eng mit Frau Doberer-Bey zusammen, um wechselseitig vom Austausch in Forschung und Praxis zu profitieren. Die alphabund-Transferstelle gratuliert zu der herausragenden und verdienten Ehrung!
(alphabund, Marion Döbert)
12 – Aus der Praxis für die Praxis - Werner Hessing gründet Verlag
Der langjährig aktive Alphabetisierungsexperte, Künstler und Autor Werner Hessing hat seine Idee in die Tat umgesetzt: Ein Verlag für leicht lesbare Lektüren für Menschen mit Lese- und Schreibproblemen sollte gegründet werden. Seit Ende 2009 bietet nun „Aus der Praxis für die Praxis“ neben leicht lesbaren Lektüren auch Arbeitsblätter für den Alphabetisierungsunterricht an. Die Arbeitsmittel sollen die Freude am Lesen und Lernen wecken und fördern. Werner Hessing ist auch auf der Suche nach guten Manuskripten für Leichtleselektüren. Insbesondere spannende Krimis sind bei den Lernerinnen und Lernern besonders beliebt.
Nähere Informationen zum neuen Verlag unter:
www.neueleser.de
(alphabund, Marion Döbert)
13 – Dokumentarfilm: „Die Unwertigen“ von Renate Günther-Greene
Der neueste Dokumentarfilm der Regisseurin Renate Günther-Greene, die in der Alphabetisierung vor allem für ihren Dokumentarfilm „Das G muss weg!“ bekannt ist, erzählt von der menschenverachtenden Selektion im Dritten Reich. Es geht um Kinder und Jugendliche, die in Erziehungsheime eingewiesen wurden und dort in aller Regel harte Arbeit verrichten mussten oder Opfer medizinischer Menschenversuche wurden.
Besonders anschaulich für die heutige Generation werden die Verbrechen der Nationalsozialisten am Beispiel der Swing-Boys – Jugendliche, die sich für die US-amerikanische Kultur interessierten, Swing-Musik hörten und entsprechende Kleidung trugen- dargestellt, die zur politischen Umerziehung in Heime eingewiesen und zu Zwangsarbeit verdammt wurden.
Am Ende des Films bleibt das beunruhigende Gefühl, wie wenig dieses Thema noch lange nach 1945 und selbst heute hinterfragt wurde. Elfriede Schreyer, heute 77 Jahre alt, wurde wegen einer Schreib- und Leseschwäche mit der Diagnose „mittlerer Schwachsinn“ eingewiesen. Sie blieb bis 1970 im Heim kritiklos eingesperrt und ist ihr ganzes Leben lang Analphabetin geblieben. Erst eine kritische junge Psychologin wurde auf die verheerende Falschdiagnose aufmerksam und verhalf Elfriede Schreyer zum Übergang in ein normales Leben.
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der alphabund-Transferstelle im UNESCO-Institut für Lebenslanges Lernen und des Projekts „Literalität als soziale Praxis“ (Verbundprojekt: Alpha-Wissen) sahen sich den Film im Koralle-Kino in Hamburg Volksdorf an. Kinobetreiber Jensen zeigte sich erfreut, dass dieser Film mehr Publikum hatte als der Film im größeren Kinosaal: Til Schweigers „Zweiohrküken“. Die anschließende Diskussion wurde moderiert von Gerd Spiekermann vom Norddeutschen Rundfunk, der stellvertretend für einen der Protagonisten teilnahm: Günter Discher, heute 86 Jahre alt, blieb der Swing-Kultur immer treu und moderierte gemeinsam mit Gerd Spiekermann mehrere Swing-Sendungen.
„Ich wünsche mir, dass der Film ‚Die Unwertigen’ dazu beitragen kann, auf das Schicksal der Heimkinder hinzuweisen und die Zusammenhänge besser zu verstehen“, erklärt Renate Günther-Greene ihre Motivation, diesen Film zu machen.
Der Film läuft 2010 in folgenden Städten in ausgewählten Vorstellungen:
Donnerstag, 07.01.2010, 20.45 Uhr (+ 09. und 10.01., jeweils 18.30 Uhr)
FRANKFURT – Filmforum Hoechst
ab Mittwoch, 20.01.2010
DRESDEN – Kino im Dach
Sonderveranstaltung mit Diskussion geplant für Mittwoch, 20.01.2010
Donnerstag, 21.01.2010, 19.30 Uhr
KÖLN – Filmhaus
am Donnerstag, 21.01. Veranstaltung des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln
weitere Aufführungen: 22.01., 21.30 Uhr + 25.01., 19.30 Uhr + 30.01., 21.30 Uhr+31.01., 21.30 Uhr
Donnerstag, 21.01.2010
TITISEE-NEUSTADT – Krone Theater
Montag, 25.01.2010
DONAUESCHINGEN – Kommunales Kino Guckloch
Mittwoch, 27.01.2010
BERLIN – Cinemotion Hohenschönhausen
Veranstaltung des AK “Marginalisierte – gestern und heute” anlässl. des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus (Infos folgen)
Mittwoch, 27.01.2010
VILLINGEN-SCHWENNINGEN – Kommunales Kino Guckloch
ab Sonntag, 21.03.2010
OBERHAUSEN – Kino im Walzenlager
weitere Termine am 23., 25. und 30.03.2010
noch ohne Termin in 2010:
MÜNSTER – Cinema
Der Film wurde durch 3Sat und den WDR kofinanziert und wird daher auch im Fernsehen gezeigt, noch ohne Termin.
(Fotos: menschentaucher)
14 – AGuB e.V. Alphabetisierung, Grundbildung und Berufsqualifikation in Berlin
Von Peter Hollitzer, Vorstand des noch jungen Berliners Verein AGuB e.V. Alphabetisierung, Grundbildung und Berufsqualifikation, wurde alphabund ein kurzer Aufsatz zur Verfügung gestellt.
Es geht um ein Modell der vereinheitlichten Prozessbeschreibung auf der Grundlage der Theorie der globalen Denkgestalt. Darauf basierend ist AGuB damit beschäftigt, sowohl eine zielgruppenorientierte Didaktik als auch ein internetbasiertes E-Learning zu entwickeln.
Download: P. Hollitzer/P. Kaiser 2009: Vereinheitlichte Prozessbeschreibung auf der Grundlage der Theorie der globalen Denkgestalt.
Der Aufsatz soll an dieser Stelle dazu dienen, die Arbeitsweise des Vereins zu veranschaulichen und gegebenenfalls den kollegialen, wissenschaftlichen und unterrichtspraktischen Austausch zwischen dem Verein, der dem BMBF-Förderschwerpunkt nicht angehört, und alphabund-Projekten anzuregen.
www.agub-ev.de
Kurz notiert
Letzte Meldungen
- MEMO-Broschüre "ErLeben und Lernen"
- iCHANCE: Jan Delay und Das Bo helfen!
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- Internationale Konferenz zur Erwachsenenbildung
- Fachtagung Alphabetisierung und Grundbildung
- ABC-Projekt: Dokumentarfilm
- Jubiläumsausgabe der ABC-Zeitung
- ABC zum Berufserfolg: Dokumentation der Fachtagung am 15.10.2009
- Chancen erarbeiten: Liste der Hochschulseminare zur Alphabetisierung










