Funktionaler Analphabetismus, Alphabetisierung und Grundbildung
Bislang gibt es keine offiziellen Zahlen zur Größenordnung des funktionalen Analphabetismus in Deutschland. Die internationale IALS-Studie (International Adult Literacy Survey) der OECD (1995) lieferte erstmals gesicherte Hinweise auf die Lesekompetenzen von Erwachsenen in Deutschland. Nach dieser Studie erreichten 14 Prozent der Testpersonen lediglich die unterste Kompetenzstufe. Soziale Herkunft und Gelingen oder Scheitern der Bildungsbiografie sind eng miteinander verbunden. Neben den Ergebnissen der PISA-Studien und des Bildungsberichts 2008 bestätigen dies auch die Lebensläufe von Erwachsenen, die in Volkshochschulen und bei anderen Weiterbildungsanbietern das Lesen und Schreiben in einem zweiten Anlauf erlernen wollen.
Die Ursachen für funktionalen Analphabetismus in Deutschland sind vielfältig. Hauptursachen liegen
- in der Familie: Oft sind belastende Lebensumstände wie Existenzsorgen oder Bedrohung durch Armut, zerrüttete Familienverhältnisse, Bildungsferne und Überforderung Ursachen für Lernprobleme der Kinder.
- in der Schule: Hier bedarf es verstärkt intensiver individueller Förderung mit passgenauer Didaktik und Methodik bei der Schriftsprachvermittlung, insbesondere für Kinder aus eher bildungsfernen Familien.
- in der Gesellschaft: Immer höhere und neue Ansprüche an Lese- und Schreibkompetenzen setzen die Bereitschaft und Befähigung zu lebenslangem Lernen voraus. Alphabetisierung (Literacy) ist ein dynamisches Konzept, das es vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen und Anforderungen ständig weiter zu entwickeln gilt.
Alphabetisierung beinhaltet Maßnahmen zur Vermittlung grundlegender Kompetenzen im Lesen und Schreiben. Alphabetisierung wurde seit den 90er-Jahren durch Konzepte der Grundbildung zunehmend erweitert. Als Grundbildung werden die Voraussetzungen an Wissensbeständen, Fertigkeiten, personalen und sozialen Kompetenzen bezeichnet, die für Orientierung und aktives Handeln in unserer Gesellschaft notwendig sind.

