Abschlussveranstaltung zur UN-Weltdekade Alphabetisierung

Blick in ZuschauerraumZum Abschluss der UN-Weltdekade Alphabetisierung bot die Veranstaltung „Weiterbildung im Dialog“ Gelegenheit, die nationale Entwicklung in den vergangenen zehn Jahren zu bewerten und den Blick auf zukünftige Herausforderungen zu richten. Auf der Tagung fand ein reger Austausch zwischen Forschung und Bildungspraxis, abgeschlossenen und gerade gestarteten Projekten sowie allgemeiner und beruflicher Weiterbildung über neue Strategien für die Weiterbildung Geringqualifizierter statt.

 

MessebesuchÜber 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Bildung tauschten in Berlin ihre Erfahrungen zu Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener aus. Besonders intensiv wurden die anstehenden Herausforderungen in der Weiterbildung Geringqualifizierter sowie die Professionalisierung des Lehrpersonals diskutiert. Eine Projektmesse „Alphabetisierung und Grundbildung in Wirtschaft und Gesellschaft“, auf der Vertreterinnen und Vertreter von Forschungsprojekten, aus der Bildungspraxis und von Selbsthilfegruppen ihre Materialien präsentierten, rundete das Angebot an beiden Tagen ab.

Gewinner des Schreibwettbewerbs Kornelia Haugg vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) blickte auf die bereits erfolgten Schritte zurück, die die Bundesregierung und weitere beteiligte Akteure zur Förderung der Alphabetisierung unternommen hatten. Eine wirksame Verbesserung der Situation könne nur durch eine gemeinsame Kraftanstrengung aller bewerkstelligt werden. Ein besonderes Highlight ihrer Rede war die Auszeichnung der diesjährigen Gewinnerinnen und Gewinner des Schreibwettbewerbs für funktionale Analphabetinnen und Analphabeten, der jährlich vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung ausgerichtet wird.

Prof. Wulf von der UNESCOProf. Dr. Christoph Wulf von der Deutschen UNESCO-Kommission betonte die zentrale Bedeutung von Lesen und Schreiben für die Gesellschaft. In einem Resümee der nationalen und internationalen Entwicklungen während der UN-Weltdekade aus der Sicht der UNESCO verwies er auf die hohe gesellschaftliche Bedeutung von Literalität. Alphabetisierung, so Wulf, sei die Voraussetzung für alle gesellschaftlichen Prozesse. Er forderte Politik und Gesellschaft auf, die Förderung von Literalität weiterhin im Fokus zu behalten.

Prof. Dr. Josef Schrader, Direktor des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung, gab einen Überblick über Lernangebote am Arbeitsplatz. Er stellte heraus, dass Bedarfsanalysen eine notwendige Voraussetzung für die Entwicklung von pädagogischen Konzepten seien, um Lernangebote passgenau mit arbeitsbezogenen Anforderungen zu verknüpfen. Auf diese Weise könne es gelingen, die bereits entwickelten und neu entstehenden Konzepte in die Praxis zu implementieren und durch eine weiterführende Maßnahme der Evaluation, Professionalisierung und Sensibilisierung nachhaltig zu verankern.

Prof. Dr. Helmut Bremer, Universität Duisburg-Essen, betonte die Bedeutung kultureller Milieus für die Gewinnung von Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Um passgenaue Materialien zu entwickeln, so Bremer, müsse man die Innenperspektive der Lernenden aufgreifen und Themen, Inhalte und Lernformen an die Vorstellungen und Bedürfnisse der Zielgruppe anpassen. Menschen würden nur lernen, wenn sie konkrete Angebote bekämen, die ihren eigenen milieugeprägten Vorstellungen von gelingendem Lernen entsprächen.

Blick ins FachforumSechs thematische ausgerichtete Fachforen mit unterschiedlichen Schwerpunkten ermöglichten einen weiteren fachlichen Austausch zu aktuellen Fragen. In den Foren wurden Konzepte der arbeitsplatzorientierten Grundbildung und Kompetenzentwicklung am Arbeitsplatz behandelt. Ebenfalls wurde der Einsatz von Medien zur Gewinnung neuer Zielgruppen sowie angrenzende Themenbereiche der Grundbildung wie financial und health literacy diskutiert. Thematisiert wurden weiterhin Wege zur weiteren Professionalisierung des Lehrpersonals und zu Literalitätsstrategien, wie sie in England, Frankreich und Kuba umgesetzt wurden.

Podiumsdiskussion In einem Podiumsgespräch diskutierte Kornelia Haugg, Abteilungsleiterin im BMBF, gemeinsam mit Vertretern und Vertreterinnen von Sozialpartnern, Kultusministerkonferenz und Städte- und Gemeindebund die bereits erfolgten und noch zu gehenden Schritte, die aus nationaler Perspektive für die Alphabetisierungs- und Grundbildungsarbeit in Deutschland notwendig sind. Tags zuvor tauschten Vertreterinnen und Vertreter der Bildungspraxis und Interessensverbände ihre Erfahrungen während der UN-Weltdekade zur Alphabetisierung aus. Alphabetisierung und Grundbildung, so der Tenor in beiden Diskussionsrunden, bleiben weiterhin anspruchsvolle Herausforderungen für alle gesellschaftlichen Gruppen, an der politische Akteure auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene ebenso mitwirken müssten wie Interessenverbände, Bildungspraxis sowie die Organisationen von Wirtschaft und Gewerkschaften.

Die Präsentationen der Vorträge und Fachforen finden Sie unter dem Programm der Veranstaltung.




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